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An diesem Herbsttag wollte ich in Wasserburg fotografieren.
Der Auftrag meines Verlages sah Apfelbäume mit reifen Früchten vor, sowie den markanten Zwiebelturm der Kirche St. Georg, alles im schönsten Abendlicht.
Bei strahlendem Sonnenschein war ich gestartet, doch stehe ich jetzt – nach fast einer Stunde Autofahrt im Feierabendverkehr und einem beachtlichen Fußmarsch auf der Suche nach einem entsprechend geeigneten Baum – unter vollständig bewölktem Himmel im Nieselregen. Windzerzaust und ohne jegliche Fernsicht.
Bei schönem Wetter wäre dies hier ein herrliches Plätzchen, unverbaut, genau von der Sorte, wie sie immer weniger werden und ich sie liebe …

Warten, warten, warten. Kurz vor Sonnenuntergang gebe ich resigniert auf und wandere zurück zum Wagen. Ein halber Tag für die Katz´, und das, obwohl sich in meinem Büro die Arbeit stapelt. Da erblicke ich die Wolkenlücke am Horizont. Vielleicht wert, noch ein wenig länger zu warten? Kurzentschlossen biege ich in Nonnenhorn wieder von der Hauptstraße ab, haste hinunter zum Hafen, und postiere mich an einer meiner Lieblingsstellen, einem kleinen Rest Naturufer, gleich neben der Schiffslände.

Dann geht alles schnell:
Der Wind hat gigantische Wolkentürme aufeinandergestapelt, von hinten durch die Abendsonne beleuchtet. Inmitten der rauen See kämpft sich ein Schiff der Weißen Bodenseeflotte zur Anlegestelle. Von Osten nähert sich ein Schwan.
Stativ heraus, Schärfentiefe überprüfen, ein entfesselter Blitz, um die Ufersteine ein wenig aufzuhellen, der Grauverlaufsfilter zur Kontrastminderung, Fernauslöser festdrehen, zusehen, dass keine Wassertropfen der peitschenden Gischt auf der Frontlinse gelandet sind, auslösen, zack - Schwan vorbei, Schiff weg, das war´s! Ein Bild voller Dramatik, fast wie auf einem Gemälde Caspar David Friedrichs.

Während ich noch verschnaufen will, bricht die untergehende Sonne hinter den Wolken hervor und ermöglicht weitere Bilder von allerdings viel lieblicherem Charakter. Etwas später dämmert es. Wieder einmal hat sich Warten gelohnt, wenn auch in Form anderer Bilder als der ursprünglich geplanten. Müde aber zufrieden mache ich mich auf den Rückweg nach Überlingen – hoffentlich hat meine Frau mit dem Abendessen gewartet!